Sehr gerne auf der Bühne

Sehr gerne auf der Bühne

 

Er hält eine Gitarre in der Hand, rückt sein braun-orangenes Kostüm zurecht und geht seinen Text nochmal durch. Dabei läuft er nervös hinter der Bühne auf und ab. „Das ist das klassische Lampenfieber“, sagt Stephan Sehr, der bei dem Musical, das extra für den 9. Kindergipfel der evangelischen Kirche von Westfalen geschrieben wurde, das Eichhörnchen Speedy verkörpert. Für den 51-Jährigen gehört das dazu. „Ich genieße das richtig. Das ist so eine positive Nervosität, da merkt man, dass man lebt.“ Um dieses Gefühl ein wenig in den Griff zu bekommen, ruft der Regisseur des siebenköpfigen Kindertheaters kurz vor dem Auftritt seine Darsteller zusammen. Sie fassen sich an die Hände und rufen gemeinsam „Toi, Toi, Toi“, bevor die Gruppe vom Moderator auf der Bühne angesagt wird. Stephan geht voran und wird auf der Bühne von 300 ungeduldigen Kindern erwartet, die ihm zujubeln. Die Theatergruppe eröffnet die Veranstaltung mit dem ersten Teil eines Musicals zum Thema des diesjährigen Gipfels: „Die Erde ist Schön! Niemand darf sie kaputt machen.“ Auf kindgerechte Art und Weise behandeln die Waldtiere Probleme wie Wasserverschwendung und Umweltverschmutzung und stimmen die Kinder so auf die bevorstehenden Tage ein. Mit schriller Stimme hüpft Stephan alias Speedy über die Bühne und erfreut so sein junges Publikum. Dazu spielt er mal auf der Gitarre, mal auf dem Keyboard und begleitet dabei den Gesang der anderen Schauspieler. Um neun Uhr ist der erste Teil des Theaters vorbei. „Ich bin sehr glücklich und zufrieden“, sagt er danach. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, vor allem in diesem super Team. Ich bin sehr stolz, dass wir das so gut zusammen geschafft haben“. 

Die Schauspieler hatten gerade einmal zwei Wochenenden Zeit, an denen sie die komplette Inszenierung sowie die Musik entwickelt und geprobt haben. Sie ist ein Teil ihrer zweijährigen Ausbildung zum Spiel- und Theaterpädagogen der evangelischen Kirche von Westfalen. „Diese Fortbildung erfüllt alles, womit ich auch beruflich in Kontakt komme und unterstützt mich bei meiner täglichen Arbeit“, sagt Stephan. 

Er ist als hauptamtlicher Jugendarbeiter in der Evangelischen Zionsgemeinde Bethel im Pfarrbezirk Eckardtsheim tätig. Nach einer kurzen Planung für die morgigen Auftritte setzt sich Stephan noch auf die Terrasse im Garten des Haus Villigst, während die Kinder zusammen am Lagerfeuer Lieder singen.  

„Als Kind hätte ich sowas gerne selbst erlebt. Diese Umgebung und das tolle Programm, einfach grandios. Ich bin froh, ein Teil davon sein zu können“, sagt er, während er auf die strahlenden Gesichter der Kinder blickt. Und so scheint die ganze Nervosität über die noch bevorstehenden Auftritte vergessen. 

Alex Haufschild