Bei Ann brennt nichts an

Bei Ann brennt nichts an

 

„Das finden wir ganz wunderbar, wir halten zusammen, das ist doch klar, weil wir Freunde sind“, singen Maus und Igel auf der Bühne des 9. Kindergipfels der evangelischen Jugendkirche von Westfalen. Wenige Meter neben den Tieren sitzt die Paderbornerin Ann Antemann auf dem Boden und genießt die Show. Ein Moment zum Durchatmen für die 20-Jährige.

Neben rund 300 Kindern verbringen auch viele Erwachsene so wie Ann ihr Wochenende im Park von Haus Villigst in Schwerte. Sie moderieren, veranstalten Workshops oder sind einfach für die Kinder da. Erkennbar sind die meist ehrenamtlichen Helfer an ihren hellblauen Mützen. Ann trägt auch eine und läuft auf einmal los. „Obwohl es der Kindergipfel ist, habe ich mit den Kindern eigentlich nicht viel zu tun“, sagt sie und erklärt ihren Aufbruch. „Wir gehen jetzt die Fackeln holen“.

Mit ihren 14 Kollegen aus dem Kirchenkreis Paderborn kümmert sich Ann um „alles Drumherum“. Sie sind schon ein Tag früher da, bauen die Waschzelte, Pavillons und Schilder auf und schleppen Strohballen heran.  Wenn die Kinder da sind, teilen sie auch Getränke aus und sind am Slush-Eis-Stand eingeteilt.

„Manchmal ist es auch etwas anstrengend“, sagt Ann und rammt mit aller Kraft eine Fackel in den Boden. Doch selbst den Schlafmangel sieht man ihr nicht an. Mit viel Spaß und Elan macht sie sich an ihre Aufgaben. Ein schiefes Lächeln im Gesicht und immer bereit für einen sarkastischen Kommentar, zieht sie mit ihren Jungs weiter durchs Camp. Vor zwei Jahren, erzählt sie, wurden immer wieder Fackeln geklaut und zwischen die Zelte gestellt. Zelte brennen gut. Und die Ruhr, die an das Gelände grenzt, birgt Gefahren für Kinder. Doch Ann und ihre Kollegen haben alles im Griff. 

Dieses Jahr beginnt die engagierte Helferin mit ihrem Studium. Sie hat sich an der Uni Münster für Englisch und Biologie auf Lehramt eingeschrieben. Vorher absolvierte sie ein FSJ im Kirchenkreis Paderborn. Konfirmanden-Arbeit, Bürokram, Großveranstaltungen und Jugendfreizeiten. Von allem etwas dabei. Auf die Frage, ob sie eine soziale Ader hat, fängt sie laut an zu lachen. „Auf jeden Fall!“ 

Für diesen Abend reicht es aber erstmal mit der sozialen Ader. Die Fackeln stehen und die Kinder haben Schlafsackzeit. Bevor es morgen erst richtig losgeht, setzen sich die Großen entspannt zusammen. Das Beste am Wochenende? „Mithelfen, dass so etwas Großes entstehen kann“, findet Ann zufrieden und gesellt sich zu ihren Freunden.

Clara Grothkopp