„Sonst wäre es ein riesiges Durcheinander“

„Sonst wäre es ein riesiges Durcheinander“

Viele Vorkehrungen sind gut - zahlreiche Helfer vor Ort noch besser. Im Vorfeld des neunten Kindergipfels in Villingst bei Schwerte haben die Organisatoren viel geplant und geklärt, doch ohne die etlichen Mitarbeiter wäre die Durchführung dieses Wochenendes nahezu unmöglich. Damit es also allen Teilnehmern positiv in Erinnerung bleibt, unterstützen auch dieses Jahr neben zahlreichen Hauptamtlichen auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter die westfälische Kirche.

Einer von ihnen ist Kevin Riße. Der 21-Jährige engagiert sich seit sechs Jahren ehrenamtlich in der Kirchengemeinde Dülmen. Neben der Betreuung von angehenden Konfirmanden begleitet er regelmäßig die Fahrten von Kindern und Jugendlichen. Dies sei sein erster Kindergipfel, den er als Betreuer begleitet, erzählt er mir etwas abseits der Willkommensveranstaltung auf dem großen Zeltplatz. Die Planung läge allerdings schon weiter zurück. Neben den Treffen der Betreuer gab es auch ein Kinderbibelwochenende, bei dem sie schon vorab mit den Kindern über das Motto der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung ins Gespräch kamen. Seine Hauptaufgabe sei die Kinder bei Laune zu halten und gleichzeitig auf sie aufzupassen. Zwei Dinge, die sich nicht immer leicht umsetzen lassen: „Die Kinder möchten gerne zur Ruhr, die direkt hinter unserem großen Zelt verläuft. Das ist aber einfach zu gefährlich. Wenn man es ihnen dann verbietet, sind sie vielleicht kurz beleidigt, aber das hält nie lange an“. Zwar könnte er sein Wochenende auch entspannt zuhause anstatt mit 16 Menschen auf unbequemen Luftmatratzen in einem Zelt verbringen, doch für ihn steht vor allem das Sammeln von Erfahrungen im Vordergrund: „Ich mag es, mit Kindern zu arbeiten. Es gibt einem viel fürs Leben, hier lerne ich mehr als bei meiner Bundesfreiwilligendienst-Stelle in der Grundschule“. 

Kevins Tag fing aber viel früher an. Im etwa 80 Kilometern entfernten Dülmen lud er zusammen mit seinen drei anderen Betreuern ein großes Zelt, Wasserkisten und andere Ausrüstung in den Bus und half, das Gepäck der Teilnehmer einzuladen. Einmal angekommen, zeigt Kevin sich angetan vom Kindergipfel: „Mir gefällt die Aufmachung und die vielen Angebote, alle sind sehr friedlich gestimmt“ Auch das Theaterstück am ersten Abend begeistert ihn: „Es zeigt den Kindern, wie wichtig es ist, Aufmerksamkeit gegenüber seinen Mitmenschen zu zeigen“. Ein Kind unterbricht kurz unser Gespräch. Kevin muss ihm zeigen, wo es die Toilette findet. Nach ein paar Minuten setzt er sich wieder zu mir: „Wenn man sich vorstellt, man würde die Kinder sich selbst überlassen, wäre es wohl nur ein riesiges Durcheinander. Wir sollen ja auch eigentlich nur für Ordnung sorgen und nicht unbedingt viel verbieten. Eingreifen müssen wir nur in den seltensten Fällen“. Für Kevin ist viel wichtiger, dass alle Teilnehmer möglichst viel erleben: „Wir möchten, dass die Kleinen mit einem tollen Gefühl nach Hause fahren und am liebsten noch viel länger geblieben wären“. Länger geblieben wäre gerne auch Kevin, aber da sich nun auch die letzte Veranstaltung des Abends zu Ende neigt, wird er ein wenig nervös, denn er muss die zwölf wuseligen Kinder schnell und sicher in die Schlafsäcke bringen.

Max Bier