„Krass, guck dir mal meine Finger an!“

„Krass, guck dir mal meine Finger an!“

 

Grün und lila gefärbte Zitronenstücke stapeln sich auf drei zusammengestellten Biertischen. Papiertüten mit duftenden Blütenblättern, Holzmörser, zerknüllte Papiertücher und eingefärbte Stofffetzen liegen daneben. „Guck mal, das ist blau geworden“, ruft Greta begeistert und hält eine Edelstahlschale mit blauer Flüssigkeit hoch. Die 8-Jährige ist eine von rund zehn Kindern, die beim Workshop „Natürlich Bunt“  am Samstagvormittag des Kindergipfels teilnehmen. Hier werden aus pflanzlichen Mitteln Farben hergestellt. Und das Beste: Die Kinder können alles selbst machen.

„Zuerst muss ich ihn im Mörser zerstampfen“, erklärt die 9-jährige Rabea und greift nach dem Rotkohl. „Danach wird er in ein Tuch gewickelt und ausgewrungen“. Zum Vorschein kommt eine blutrote, wässrige Flüssigkeit. Rabea nimmt ihren Pinsel und malt einen Kreis auf ihr Papier. Die Farbe verändert sich noch auf dem Blatt: Erst lila, dann blau und im getrocknet Zustand schon fast Türkis. Sie findet es spannender, als mit herkömmlichen Wasserfarben, da „ich weiß, dass sie aus echten Pflanzen gemacht werden“.

Die Hände ganz bunt und die Blicke konzentriert, mischen die Kinder Blauholz, Schwertlilie und Islandmoos zusammen. Martina Wisnewski, die zusammen mit ihrer Tochter Kira den Workshop leitet, freut sich über die Begeisterung der Kinder: „Selbst die beiden Jungs haben richtig Spaß“, flüstert sie und deutet auf Kevin und Justin. Die beiden haben gerade Blätter vom Busch hinter ihnen gepflückt und legen sie in den Mörser. „Mal gucken, ob das was wird“. Denn, was aus den verschiedenen Pflanzen für Farben entstehen, finden sie am besten raus, indem sie es einfach ausprobieren. Getrocknete Pflanzen bekommt Wisnewski in gut sortierten Apotheken oder der Färber-Garten-Vereinigung. Die etwas süßlich riechende Schwertlilie ergibt ein saftiges Grün, mit Natron oder Zitronensaft gemischt können aber wieder ganz andere Farben zum Vorschein treten. Auch mit Curcuma wird bei der Farbherrstellung gearbeitet: „Das hat deine Mutter bestimmt auch in der Küche“, erklärt Martina einem neugierigen Mädchen, die daraufhin feststellt „Stimmt, das riecht nach Curry. Das probiere ich dann mal zuhause aus.“

Clara Grothkopp