Vom Suchen und Schweben

Vom Suchen und Schweben

 

Verwirrt laufen zwei kleine Mädchen auf dem Vorhof des Hauses Villigst zwischen all den spielenden Kindern umher. „Hast du meine Cousine Alicia gesehen?“, fragt die zehnjährige Charleen ihre ein Jahr ältere Freundin Greta. „Nein, aber die ist bestimmt bei den Seifen“, antwortet sie. Und so machen sich die zwei Mädchen auf die Suche nach ihrer Freundin, die sie im Getümmel der vielen Kinder verloren haben. Auf dem Weg dorthin kommen sie an dem Zeitmaler auf dem Zirkusplatz vorbei.        „Die Bilder sind richtig cool und der malt so schnell“, ruft Charleen und zeigt auf die großen Leinwände, die mit gelber Farbe allmählich ein Bild ergeben. „Ich könnte dem Maler ewig zugucken“, kommentiert Greta. Doch die Suche nach ihrer verschollenen Freundin hat Priorität. „Weißt du, wo Alicia ist?“, fragen die Mädchen einen vorbeilaufenden Jungen. Auch er hat sie nicht gesehen. „Schade, dass wir keine T-Shirts oder Kappen haben, dann könnten wir sie viel leichter finden.“, bemängelt Charleen. „Vielleicht hängen wir auch Schilder aus, wo wir draufschreiben, dass wir sie vermissen.“, schlägt Greta vor. Doch noch geben sie die Suche nicht auf. Die zwei umrunden den gesamten Zeltplatz und fragen noch einige weitere Male bei Betreuern und anderen Kindern nach. Als die Freundinnen auch bei Seifenworkshop keine Spur von Alicia finden, beschließen sie noch einmal, zurück zum Vorhof zu gehen. „Da ist sie!“, ruft Charleen plötzlich und fast zeitgleich sprinten die beiden los. „Endlich haben wir dich gefunden“, sagt Greta sichtlich erleichtert, als die drei Mädchen sich am Slush-Eis Stand gegenüberstehen. Hier herrscht viel Gedrängel. „Slush-Eis gibt’s erst in einer Stunde wieder“, ruft eine Teamerin, die hinter dem Stand sitzt. „Och, Mann“, tönt es aus den Reihen, zwischen die sich ein Duft aus Popcorn und frischen Waffeln gemischt hat. Ein wenig enttäuscht ziehen die drei Freundinnen, die sich aus dem Zirkus kennen, Richtung Seilbrücke.

 „Ihr seid die Letzten, die drankommen“, sagt der Betreuer an der Station, „danach ist Schluss“. Gerade noch rechtzeitig. Die Schlange ist lang an dieser sehr begehrten Aktion. Während ein Teil der Wartenden helfen muss, die Kletterer durch kräftiges Ziehen auf die andere Seite und zurück zu bringen, sitzen die anderen geduldig auf einer Bank und warten. „Das dauert bestimmt noch eine halbe Stunde“, sagt Charleen. Doch die Mädchen sind sich einig: „Hauptsache wir kommen noch dran.“ Auch die Rückmeldungen der Kinder machen die Vorfreude noch größer: „Lohnt sich so hart“, sagt ein Junge, der gerade seinen Sicherheitsgurt auszieht. Nach einer dreiviertel Stunde ist es dann endlich soweit und die Mädchen werden in ihre Klettergurte geschnallt und über die Ruhr in drei Meter Höhe gezogen.  „Das war total cool“, meint Greta, „ein Gefühl, wie wenn man schwebt.“ Und Charleen fügt noch hinzu: „Ich bin auch froh, dass wir erst am Ende drangekommen sind, auch wenn wir solange warten mussten. Aber so konnten wir den Sonnenuntergang auf der Ruhr sehen. Das war richtig schön.“ Und so hatte die lange Suche nach der verschwundenen Alicia am Ende doch noch etwas Positives.

Von Alex Haufschild

 

 

Anstehen an der Seilbrücke
Greta genießt den Sonnenuntergang auf der Seilbrücke.
v.l Greta, Charleen, Alicia