Eine etwas andere Brücke

Eine etwas andere Brücke

 

Das wilde Klappern und die lauten Anfeuerungen würden eher auf ein Fußballspiel deuten. Doch auch wenn es hier um Teamgeist geht, ist dem nicht so. Es wird geschrien, geplappert und diskutiert. Denn jeder will so schnell es geht über die Ruhr schweben.

Das Wort Seilbrücke löst normalerweise ein anderes Bild vor Augen aus, als das was die Teilnehmer hier beim Kindergipfel zu sehen und zu erleben bekommen. Zwei Seile über dem rauschenden Fluss statt einer hölzernen Brücke über einem Abgrund. Der Wind raschelt in den Bäumen und die Sonne gibt ihren letzten Rest an dem Spätsommertag. Die Kinder drängen sich an der Ruhr und können nur mit Mühe warten.

„Und andere Richtung“, schreien die Betreuer der Brücke. Am anderen Ende der Ruhr hängt ein Junge über der Böschung und wartet wieder zurückgezogen zu werden. Da die wartenden Kinder den Passagier hinüberziehen müssen, dauert es etwas bis dieser wieder auf der richtigen Seite des Flusses angekommen ist. „Die haben alle gar keine Lust“, schreit einer von den Betreuern, um die Kinder zu motivieren. „Je langsamer ihr zieht, desto langsamer kommt ihr selbst dran.“

Neben den ziehenden Kindern werden die nächsten Kandidaten für die Reise über die Ruhr ausgestattet. Die Karabinerhaken klacken aus und wieder ein. Mit einem orangenen Helm auf dem Kopf geht’s los. „Da passiert nichts“ sind die letzten beruhigenden Worte an die Kleinen. Für alle anderen geht der Spaß des Ziehens nun wieder von vorne los - bis sie selbst an der Reihe sind. Das Warten scheint sich gelohnt zu haben, denn alle kommen heile und mit einem breiten Grinsen wieder.

 

Carla Siebel