Eine nachhaltige Veranstaltung!?

Eine nachhaltige Veranstaltung!?

Die Botschaft ist unmissverständlich: „Die Erde ist schön. Niemand darf sie kaputt machen“, lautet das diesjährige Motto des Kindergipfels in Schwerte. Die Kinder bauten bunte Globen aus Draht und Kleister, stellten Naturfarben aus Pflanzen her und sie erfuhren, wie auf einem Bauernhof auf natürliche Weise Lebensmittel entstehen. Eine durch und durch runde Sache. 340 Personen hielten sich an dem Wochenende vom 9. bis 11. September 2016 auf dem Gelände des Haus Villigst in Schwerte auf und machten die Parkanlage zu einer eigenen Kleinstadt. Die Teilnehmer zelteten und aßen gemeinsam, besuchten die Theateraufführungen und arbeiteten in Kleingruppen an umweltthematisierenden Workshops. Der Ohrwurm „Die Erde ist schön“ zieht sich über das ganze Gelände.  

Rückblickend gucke ich in meist müde, aber zufriedene Gesichter. Aber was verbirgt sich hinter diesen Gesichtern? Wie viel ist im Kopf hängen geblieben? Und wie nachhaltig ist das Wochenende wirklich?

Mit Workshops wie „Die Erde nicht verfilzen“ oder „Nichts für den Müll“ steht Nachhaltigkeit thematisch konsequent im Vordergrund. Die Kinder lernen nicht nur, wie sie unsere Erde schützen können, sondern setzen sich auch selbst damit aktiv auseinander. Kindgerecht und spielerisch wird ihnen der Umweltschutz so näher gebracht. Mit einem aufwendig produzierten Theaterstück und dessen Vorgeschichte über Tiere des Bauernhofs, die durch einige Missgeschicke die Welt in Probleme versetzen, löst die Veranstaltung Empathie und Spannung bei den kleinen Teilnehmern aus. Wie können die Tiere ihren Freunden aus dem Wald helfen, die durch Baumfällungen ihren Lebensraum verloren haben? Auch vor dem Wochenende wurden die einzelnen Gemeinden und Kirchenkreise dazu angeregt, sich mit den Kindern zusammen zu setzen und das Thema vorzubereiten. Im Programmheft können sich die Kinder über den Treibhauseffekt und Ökosysteme informieren. Zudem gab es Tipps, wie sie zu Hause oder in ihrer Gemeinde durch kleine Änderungen nachhaltiger Leben können. 

Wenn ich die Kinder frage, was sie an dem Wochenende über Umweltschutz gelernt haben, kann ich natürlich keine perfekt recherchierten wissenschaftlichen Vorträge erwarten. Es sind ja noch Kinder. Aber etwas mehr, als „es ist mal was anderes, auf einer Isomatte, als in einem Bett zu schlafen“, hätte mich gefreut. Immerhin behaupten die Kinder, ihre Umgebung jetzt anders wahrzunehmen. Und wenn sie erzählen, wie sie morgens zur Schule kommen, kann ich leicht beschämte Blicke sehen, wenn die Antwort „ich werde gebracht“ lautet. Können die kleinen Personen damit ihre Eltern zu einem Gewohnheitswechsel bringen? Es sind ja doch nur Kinder.

Damit genug Zeit für die Workshops bleibt, hatte das Organisations-Team für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Die Zeiten, das Programm und die Versorgung stimmten. Das Wetter war wunderbar, das Essen lecker. Aber was sehe ich da? Am Samstagabend wird gegrillt und jeder muss sich  Plastikteller und -besteck nehmen, um essen zu können. Das Küchenpersonal hat halt frei und bei so vielen Menschen muss das schmutzige Geschirr ja auch irgendwo hin, lautet die dünne Begründung. Dafür liegt fair gehandelte Grillkohle unter dem Rost. Die blauen Mützen, die alle engagierten Helfer tragen? Leider Made In China. Sind Kompromisse bei einer Großveranstaltung dieser Art unvermeidbar? 

„Immerhin fällt es auf“, bemerkt Silke Kremer vom Camp-Radio. Ja, es ist wohl ein Anfang. Die Teilnehmer reden, basteln und singen über die Erde. Achtjährige kommen stolz mit ihrem Melk-Diplom nach Hause - und trinken Milch aus Massentierhaltung in ihrem Kakao. Die Plastikteller werden entsorgt, die blauen Mützen überleben vielleicht auch noch ein paar Tage länger. Alles für die Katz? Auf keinen Fall. Kinder sind die Zukunft dieser Erde. Auch wenn sie mit ihren zarten acht Jahren noch bunt verkleidete Schauspieler in Form von Speedy dem Eichhörnchen brauchen, um die Wichtigkeit der Bäume für unser Ökosystem zu verstehen, so werden sie es doch sein, die in 30 Jahren im Umweltministerium sitzen oder einfach nur im Supermarkt zwischen Glas- oder Plastikflaschen entscheiden wollen. Das Wochenende ist nachhaltig. Nachhaltig, da Umweltschutz noch viele Jahre Thema sein wird. Nachhaltig, weil die kleinen Teilnehmer dieses Kindergipfels irgendwann die ganz Großen sein werden. Ich hoffe, im Hinterkopf haben sie dann immer noch den Song „Die Erde ist schön“.

 

Ein Kommentar von Clara Grothkopp